Banff Mountain Film Tour 2013

Soweit ich weiss, ist die Banff Mountain Film Tour die zweite große Veranstaltung neben dem E.O.F.T., die bereits Ende letzten Jahres durch Deutschland tourte. Da ich das E.O.F.T. verpasst hatte, wollte ich unbedingt nach Banff. Wie praktisch, dass ich nicht dorthin fliegen, sondern nur bis nach Essen ins Astra-Theater fahren musste. Am 24.2. war es dann soweit!

Im Vergleich zu Stefan Glowaczs‘ Vortrag Abenteurer des 21. Jahrhunderts war der Saal voll. Das fand ich eigentlich schade, denn dessen Vortrag ist überaus sehenswert. Und man konnte in der Pause mit ihm interagieren, also sprechen. Das ging beim Banff nicht, zumindest nicht in Essen.

Mit dem Film Mountains in Motion (Trailer) startete die Serie von 7 Beiträgen. Typische Zeitrafferaufnahmen zeigten die kanadischen Rocky Mountains im Wechsel der Jahreszeiten. Besonders beeindruckend fand ich immer wieder die Nordlichter, die ich gerne einmal mit eigenen Augen und in Farbe sehen möchte. Dieser Beitrag war den Endeckern der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft gewidmet. Ein schöner Start in den Abend.

In Viva la Vie, in Übersetzung Lebe das Leben (Trailer), kam der erste Kletterfilm des Abends. Der amerikanische Kletterer Jonathan Siegrist besuchte Frankreich und kletterte mit der Schweizerin Nina Caprez klassische Routen in der Verdonschlucht. Zu den, trotz Tretboot fahrenden Touristen, einsam gelegenen Routen, gelangten sie mit dem Kanu. Neben den typischen Kletterbildern trat die Entstehungsgeschichte einer besonderen Route heraus, die sie in die Vergangenheit und Entstehung führte.

Ich möchte hier wirklich nicht mehr verraten, denn sonst braucht Ihr ja gar nicht mehr hingehen. Gerade diese Geschichte und die damit verbundenen Emotionen des Routenbauers, verlieh diesem Film die besondere Note.

The Last of the great Unknown (Trailer) entführte uns in den Grand Canyon. Canyoning ist sicherlich bekannt. Und genau das machen Rich Rudow und seine Freunde. Sie erforschen die noch unentdeckten Orte der großen Schlucht. Zur Abwechslung gab es nur am Beginn die große Weite zu sehen, dann stieg die Truppe hinab in die vom Menschen wahrscheinlich noch nie betretenden Schluchten, kletterten, seilten ab, schwammen und paddelten mit ihren Einmann-Schlauchbooten dem Rückweg zur Zivilisation entgegen.

Nein, Canyoning ist nix für mich, aber die Bilder und Einstellungen waren ebenfalls beeindruckend.

Als vierter und letzter Beitrag vor der Pause sahen wir Strength in Numbers (Trailer), ein Film über das Mountainbiken. Ja, ich habe auch ein Mountainbike. Naja, aber eigentlich kein richtiges, sprich kein Fully. Denn in Westfalen braucht man eigentlich keins, so hügelig ist es hier auch nicht. Mit dem Film wurde ich zuerst nicht ganz warm und schaute entsprechend skeptisch. Aber, ich konnte aus ihm lernen!

Eine Bergabstrecke (aka Downhill) ist sinnvoll. Kann der aufmerksame Wanderer doch immer wieder erleben, dass auf wunderschön einsamen Trampelpfaden auf einmal Mountainbiker der Meinung sind, man müsse unverzüglich Platz machen. So im übertragenen Sinne selbst erlebt im schönen Siebengebirge, wo ich her komme (der gemeine Westfale hat hierzu eine andere Ausdrucksweise: „Wo man weg kommt.“ Das soll mal einer verstehen…). Dort steht ganz klar auf den Schildern, dass Mountainbiker bitte auf den breiten Wegen bleiben sollen. Ja, stimmt, ist auch langweilig, aber Ihr Mountainbiker fördert dadurch die Erosion. Bitte mal darüber nachdenken, danke. Eine speziell angelegte Downhill-Strecke beschränkt also die Erosion. Den Gedanken finde ich gut!

Und noch ein Detail fand ich erwähnenswert, der Bau einer Mountainbike-Sprunganlage mitten im amerikanischen Ort. Das fand ich wirklich klasse! Lasst die Jugend springen, anstatt rumzuhängen. Toll war auch das Verpachten des Grunds an die Mountainbiker nach dem Verkauf des Grundstücks, so dass sie es weiter nutzen konnten und ihren gewachsenen Platz der Leidenschaft nicht verloren. Eine tolle Sache!

Vor den einzelnen Blöcken gab es ja Werbung zu sehen, wobei mir die von Globetrotter doch sehr im Gedächtnis geblieben ist. Offensichtlich braucht man sich als angehender Azubi bei Globetrotter auch nur mittelmäßig anzustellen, um einen heißbegehrten Ausbildungsplatz zu ergattern. Das schaffe ich sicher auch. Herrlich anzusehen!

A duct tape then beer production – Was für ein geiler Name! – produzierte The Gimp Monkeys (Film). Hatte ich doch letzte Woche in der BigWall in Ahlen einen Kletterer mit Beinprotese gesehen. Toll, dachte ich. Das fand ich wirklich klasse, wie er kletterte. Dieser Film toppte aber alles. Die drei Protagonisten Craig, Jarem und Pete brachten zusammen drei Köpfe, vier Arme und fünf Beine an die Wand des El Capitan im Yosemite National Park. Sicherungen selbst legen, Stürzen und Biwak im Portaledge an der BigWall waren angesagt. Wahrlich eine riesige Herausforderung, die die drei da wagten. Aber sie sind in erster Linie Kletterer und dann erst behindert. Wirklich bewundernswert die Art und Weise, wie sie daran gingen, wie sie kletterten und mit welchem Humor sie Probleme bewältigten. Da können wir uns eine Menge abschneiden. Absolut sehenswert!

Als vorletzten Film gab’s Dean Potter und eine Highline vor der großen optischen Täuschung: Moonwalk (Trailer). Der Mond war so überdimensional groß, das war schon Wahnsinn. Lockere und ruhige Minuten zum letzten Entspannen, ehe es zum großen und mit 44 Minuten längsten Beitrag des Abends ging.

Crossing the Ice (Trailer), eine sehr spannende Dokumentation über den Traum der beiden Australier Cas und Jonesy mit eigener Muskelkraft zum Südpol und zurück zu laufen. Das allein ist ja schon ziemlich bekloppt, aber Australier sind ja dafür bekannt, dass sie verrückte Dinge machen. Wie macht man das? Natürlich mit Skiern! Konnten die Jungs Skifahren? Naja, die ersten Versuche sahen ja zumindest ausbaufähig aus – und sorgten für ordentliche Lacher im Publikum. Schließlich landeten sie in der Antarktis, ohne ihre Lebensmittel, dafür aber mit einem norwegischen Widersacher, Aleksander. Der hatte zwei Vorteile: 1. er war mit Skiern aufgewachsen und hatte erhebliche Erfahrung in verrückten Dingen und 2. er hatte einen Tag Vorsprung.

Neben all den anstrengenden und negativen Dingen, die bei solchen Extremtouren passieren (Blasen, Durchfall, Schwäche, Rationierung von Lebensmitteln, Whiteout, Kälte, Sturm, etc. und von der psychischen Belastung ganz zu schweigen), waren auch sehr humorvolle Szenen vorhanden, z.B. das Weihnachtsfest mit Pinguinmütze und aufgespartem Speck.

Landschaftlich war die Antarktis da ja nicht wirklich attraktiv gewesen, so lebte die Dokumentation von den ganzen Geschichten drumherum. Sie lebte von Cas und Jonesy und Aleksander, ihrem Fortschritt der Route, ihren Entbehrungen und Rückschlägen sowie ihren Freuden beim gefundenen Nahrungsdepot – wer vermutet dort schon Erdnussflips! Und auch die Versorgungsstationen am Rand der Antarktis, dem Sprungbrett der Tour und die permanent besetzte Forschungsstation am Südpol kamen zu Wort und ins Bild. Die Dokumentation war spannend bis zur letzten Minute. Ob sie es geschafft haben? Entschuldigung, aber das kann ich Euch auch nicht verraten, sonst braucht Ihr ja gar keine Grund mehr dorthin zu gehen!

Hatte sich der Besuch gelohnt?

Ja, der Besuch hatte sich gelohnt!

Die Banff Mountain Film Tour war recht ruhig, was mir durchaus recht war. Nur reißerische Abfahrten mit Skiern, Basejumpen und der Erde entgegen rasen sowie reine Mountainbike-Rasereien sprechen mich nicht an. Ich empfand, das durchweg gute Geschichten hinter den Filmen entwickelt waren. Dabei fand ich Moonwalk sogar als relativ langweilig, optisch aber wegen dem großen Mond ansprechend. Mountains in Motion bot landschaftlich einfach irre Bilder. Meine Favoriten waren aber The Gimp Monkeys und Crossing the Ice und The Last of the great Unknown.

Weitere Berichte zur Banff Mountain Film Tour gibt es bei:

P.S.: Nein, ich habe vor meinem Artikel extra keinen dieser verlinkten Artikel gelesen!

0 Gedanken zu „Banff Mountain Film Tour 2013

  1. Mist! Bei mir ist es erst am Dienstag so weit, aber Dein Artikel ist so gut geschrieben, dass ich mich erst nach der Hälfte losreißen konnte. Und das, wo ich doch im Vorhinein extra KEINE Erfahrungsberichte hören wollte 🙂

    Liebe Grüße!

    Erika

    • Hallo Erika,
      dann wünsche ich Dir erst einmal viel Spaß am Dienstag und hoffe, Du liest meinen Artikel danach zu Ende lesen wirst. Es freut mich sehr, das er Dir bis zur Hälfte schon gut gefallen hat.

      Viele Grüße aus nördlicheren Gefilden, Bernd

    • Hallo Corinna,
      mich interessiert das Reißerische mittlerweile nicht mehr, das ist mir zuviel zu zu weit an der Realität vorbei. Zugegeben, 80° Abfahrten mit Ski oder Snowboard sind beeindruckend, ich werde die aber nie machen.

      Mich würde schon ein Vergleich zu früheren Filmen interessieren, denn verrückte Dinge waren ja auch im Trailer zu sehen.

      Viele Grüße in den Pott, Bernd

  2. Pingback: Who says I can’t? | KritzelKraxel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.