Hinauf und hinunter den Mt. Baldy

Überall findet man umgestürzte Bäume

Überall findet man umgestürzte Bäume

Im November 2008 war ich beruflich im Großraum Los Angeles von Kalifornien unterwegs. Glücklicherweise fällt auch während einer Dienstreise immer mal ein freier Tag an, so dass ich auch Ausflüge unternehmen kann. Wie in den USA üblich, musste ich mich dafür aber ins Auto setzen und erst einmal dorthin fahren. Was also tun?

Mt. Baldy im Blick, da will ich hin

Mt. Baldy im Blick, da will ich hin

Einen Berg besteigen, der über 3000 Meter hoch ist. Jawoll, das war ein tolle Idee! War ich doch in den USA noch nie in einer solchen Höhe.

Bei meiner Recherche im Internet stieß ich auf den Mt. San Antonio, der gemeinhin allerdings Mt. Baldy genannt wird. Dieser liegt in den San Gabriel Mountains und kann erwandert werden. An dem Aufstieg ist nichts schweres dran, zumindest was die technischen Schwierigkeiten angeht.

Ein echter Trail

Ein echter Trail

Da ich mich am Sonntag Morgen zuerst nicht aufraffen konnte, saß ich erst am späten Vormittag im Auto, um zum Mt. Baldy Visitor Center zu fahren. Zum Parken benötigte ich eine Erlaubnis, die zwei Vorteile hatte:

  • Das Auto wurde nicht abgeschleppt.
  • Das Besucherzentrum und die dort arbeitenden Ranger wurden bezahlt.

Nach ca. einer Stunde Autofahrt über diverse Autobahnen, war ich dort. Es war schon wieder – oder vielleicht immer noch, da November – ordentlich warm und die Sonne brannte vom Himmel.

Wildnis

Wildnis

Nachdem ich meine Parkerlaubnis erhalten und das Auto geparkt hatte, ging es zunächst auf einem breiten Wirtschaftsweg hinauf in Richtung Mt. Baldy. Zu schnell konnte ich aber nicht gehen, denn die Höhe machte sich schon leicht bemerkbar. Ich bin mir nicht mehr sicher, wie hoch es tatsächlich war, allerdings mussten es in etwa 2000 Meter über dem Meeresspiegel gewesen sein. Blieben ja nur noch ca. 1000 Höhenmeter zu erklimmen. Das sollte dann wohl doch etwas anstrengender werden.

Die Abzweigung zu Sierra Ski Hütte

Die Abzweigung zu Sierra Ski Hütte

Es galt aber aufzupassen, denn ein kleiner Pfad, kaum breiter als eine Trittspur, führte auf dem gleichnamigen Trail zur Sierra Ski Hütte, die mit einer Höhe von ca. 2530 Metern ein guter Anhaltspunkt im Gelände war. Den konnte man recht schnell übersehen, was ich auch prompt tat und ein Stück wieder zurück musste. Das Gelände selbst war von Steinen, umgefallenen Bäumen, lebenden Kiefern und Büschen geprägt. Hierbei war es aber nicht dicht bewachsen, die Sonne brannte erbarmungslos auf die Erde hinab.

Holzfiguren der Natur

Holzfiguren der Natur

Die Sierra Ski Hütte war ein idealer Platz für eine Pause und so traf ich dort auch einige Leute. Mir fiel ein Mann mit schwerem Rucksack auf, er mochte ca. 70 Liter gehabt haben. Keine Ahnung wie viele Kilos der gewogen hatte. Mir erschien er aber ordentlich schwer. Auf die Frage hin, warum er denn einen solch schweren Rucksack hinauf- und wieder hinunter schleppte, antwortete er:

„Ich trainiere für meine Aconcagua Besteigung in einigen Wochen.“

Respekt!

Die Sierra Ski Hut (privat)

Die Sierra Ski Hut (privat)

Wenn mein Fuß so verdreht wäre...

Wenn mein Fuß so verdreht wäre…

So dolle wollte ich es ja nicht treiben, weshalb ich nur leicht unterwegs war. Da die Zeit unvermindert fort schritt, setzte ich nach kurzer Pause den Aufstieg fort. Immer wieder lagen da umgestürzte Baumstämme in allen Richtungen. Warum? Keine Ahnung, alt, krank, Wind, Schneelast? Immerhin waren sie immer wieder interessant anzuschauen, wie z.B. die Astfiguren oder die völlig verdrehte Bruchstelle des Baumstamms zeigten.

Erst relativ kurz vor dem Gipfel wuchsen keine Bäume mehr und ich lief über den Schotter an nur noch niedrigem Buschwerk zum Mt. Baldy. Dort tummelten sich doch noch einige Menschen.

Panoramablick von oben

Panoramablick von oben

Neben der grandiosen Rundumaussicht, die lediglich durch die Trübe – durch Staub hervorgerufen – beschränkt wurde, traf ich auf zwei Jungs. Einer der beiden war doch ordentlich korpulent und ich war schon überrascht ihn hier zu sehen. Wie er denn dazu käme auf den Mt. Baldy zu steigen, fragte ich ihn. Ich habe es leider versäumt aufzuschreiben, was er genau berichtete, erinnere mich aber dunkel an eine Herausforderung, wie es Daniela von Landlinien.de auf Ihrem Wicklow Way in Roundwood mit Tom kennengelernt hat. Auch kann ich mich nicht mehr daran erinnern, ob es für das Erreichen der Ziele ein Abzeichen oder so etwas gab. Aber das war ja auch völlig nebensächlich. Ich fand die Leistung des Burschen sehr ordentlich und gratulierte ihm dazu.

Etwas Abseits ein Selbstportrait

Etwas Abseits ein Selbstportrait

Etwas abseits des Gipfels konnte ich eine Steinmauer entdecken, die dem Wind Einhalt bot – wenn er denn man da gewesen wäre. In dessen Nähe schoss ich noch ein Selbstportrait, ehe ich mich nach einer Pause zum Abstieg entschloss.

Nicht, dass es dort oben nicht schön gewesen wäre, aber durch meinen späten Start war es bereits Nachmittag und im Dunklen wollte ich nicht zum Auto gehen. Außerdem hatte ich Kopfschmerzen. Woran das wohl lag? Zu wenig getrunken? Zu heiß? Zuviel Sonne auf dem Schädel? Zeichen der Höhenkrankheit? Also lieber runter, denn die waren unangenehm.

Der Rücken des Teufels

Der Rücken des Teufels

Hinab war es einfach, allerdings auch sehr lang. Ich hatte es mir nicht so lange vorgestellt. Der Weg führte mich über den Rücken des Teufels (The Devils backbone) zum nahe gelegenen Skigebiet. Da es bereits spät war und ich immer noch Kopfschmerzen hatte, bog ich auf die Wirtschaftsstrasse ab und legte einen Zahn zu. Mit abnehmender Höhe beobachtete ich auch, dass meine Kopfschmerzen immer erträglicher wurden, bis sie kaum noch vorhanden waren. Und das gefiel mir.

Kurz vor erreichen des Autos stand die Sonne dann schon so tief, dass die Bergspitzen der Umgebung in einem abendlich Orange leuchteten. Noch ein schöner Eindruck.

Der Sonnenuntergang nahte

Der Sonnenuntergang nahte

Und so hatte ich meinen ersten 3000er Gipfel in den Staaten in der Tasche. 🙂

Was die Kopfschmerzen anging, so bin ich mittlerweile der Meinung, dass ich neben dem viel zu späten Start (da würde ich nun früh morgens losgehen wollen) auch der zu überwindende Höhenunterschied eine große Rolle spielte. Es waren ja nicht nur die ca. 1000 Höhenmeter vom Parkplatz zum Gipfel, sondern auch die im Auto erklommenen Höhenmeter von Victorville mit ca. 830 über Meereshöhe. Da war es wohl kein Wunder, wenn ich Kopfschmerzen bekommen hatte, oder?

Im INternet sind einige Informationen zum Mt. Bald vorhanden, u.a.:

Zu den Fanes-Wasserfällen

Von schäumenden Wassern, Canyons und Klettersteig-Miniaturen

Mit dieser Kurzbeschreibung beginnt die Tour 23 des Rother-Wanderführers Dolomiten 6 (3. vollständig überarbeitete Auflage, 2010, ISBN 978-3-7633-4063-7) zu den Fanes-Wasserfällen nahe Cortina d’Ampezzo in den Dolomiten. Diese wollten wir besuchen, auch um die dort installierten kleinen, mit Drahtseilen versicherten, Steige zu erleben.

Die Wanderung ist als schwierig eingestuft. Aufgrund des Höhenunterschieds von angegebenen 675 Höhenmetern und dem Einbeziehen der beiden, aber leichten versicherten Stahlseilpassagen an den Fällen ist dies auch nachvollziehbar.

Sonnendurchfluteter Wald.

Sonnendurchfluteter Wald.

Vom Parkplatz Ponte Felizon gingen wir durch einen lichten Fichtenwald hinunter zum Rü Fanes und von dort weiter über einen breiten Weg Nummer 10 aufwärts zum unteren Fanes-Wasserfall. Nachdem wir uns einen kurzen Überblick über die Schlucht verschafft hatten, zogen wir weiter und tauchten bald auf einem schmalen Pfad in den dichteren Wald ein. Neben Ameisenhügeln fanden wir auch jede Menge Heidelbeerpflanzen, leider noch ohne die reifen, leckeren blauen Beeren, die so herrlich auf Pfannkuchen passen – und die Hunde auch mögen.

Aber wo waren wir? Sollten wir nicht schon bald  den oberen Fanes-Wasserfall sein?

Wo sind wir denn nun?

Wo sind wir denn nun?

Das Studieren der Karte selbst brachte mit dem Höhenmesser die Erkenntnis, wo wir uns in etwas befanden. Da mussten wir wohl noch ein Stück aufsteigen. Der auf der Karte eingezeichnete Pfad passte aber nicht so recht zu der Umgebung. Wir waren näher am Rü Fanes, als auf der Karte eingezeichnet. Lediglich die auf der anderen Flussseite aufsteigende Felswand passte. Es stellte sich beim Abstieg heraus, dass der Trampelpfad nicht eingezeichnet war. Machte also nix!

BUH! Tina erschreckt Sandra und hat jede Menge Spaß dabei! :-)

BUH! Tina erschreckt Sandra und hat jede Menge Spaß dabei! 🙂

Denn auf solchen Pfaden konnten wir uns herrlich über so allerlei Dinge unterhalten, so z.B. über die Butterblume, den Hahnenfuß und was wir so alles mit Heidelbeeren anstellen würden. Auch konnte man Unsinn treiben, den Martina ja immer gerne macht. Kaum bog der Pfad um einen größeren Felsblock, so nutze sie diesen als Versteck und erschreckte Sandra mit einem lauten „BUH!„. Funktionierte und das Gelächter war groß!

Sam und Martina konnten nur bis hinter die Wasserfall gehen.

Sam und Martina konnten nur bis hinter die Wasserfall gehen.

Am oberen Fanes-Wasserfall (Sbarco de Fanes) angekommen, bereiteten sich Christian, Martina, Sam und ich uns darauf vor, den versicherten Steig, der Via Ferrata Cengia Matia, zu gehen. Es war schon spannend hinter dem Fall her zu stapfen. Allerdings war es für Sam nicht möglich, weiter mit uns zu kommen. Martina ging mit ihm also wieder zurück. Christian und ich folgendem dem sich nun anschließenden senkrechten, mit einem Drahtseil versichertem, Steig, querten ein kurzes Stück und trafen auf den zum Weg führenden Pfad. Über eine Holzbrücke kamen wir wieder zum breiten Weg Nummer 10 und trafen Martina, Sam und Sandra wieder. Nun waren die Mädels dran, den kleinen Steig für sich zu entdecken. Den Fotos zu urteilen, hatten sie mächtig viel Spaß zusammen!

Hinter dem Wasserfall hindurch, eine Dusche inklusive.

Hinter dem Wasserfall hindurch, eine Dusche inklusive.

Nachdem wir wieder alle beisammen hatten, stiegen wir den Weg Nummer 10 ab, um uns dem Höhepunkt des Tages zu nähern, dem ersten Fanes-Wasserfall. Dort ist die Via Ferrata Barbara installiert. Über ein langes mit einem Drahtseil versicherten Felsband gelangten wir zum unteren Fanes-Wasserfall, den wir quasi hintergingen – um anschliessend durch das herabstürzende Wasser und die aufspritzenden Gischt nass zu werden. So rächte er sich über das heimtückische Hintergehen. Auch Sam bekam seine Dusche ab und guckte in der sich anschließenden Scharte doch ziemlich bedröppelt.

Hinunter zur 2. Kaskade.

Hinunter zur 2. Kaskade.

Nach der Scharte gelangten wir auf abfallendem Gelände, immer noch mit Drahtseil und Klettersteigset gesichert, in die Schlucht. Um auf den Grund der Schlucht zu kommen, mussten wir uns rechts halten und dort über eingeschlagene Eisenklammern abklettern. Das ging aber mit Sam nicht, denn es war zu steil für ihn. Er konnte dort nicht hinab laufen. Abseilen wäre zwar eine Alternative gewesen, so wie wir das schon einmal gemacht hatten, aber mangels eines ausreichend langen Seils nicht durchführbar. Nein, das kam jetzt also nicht in Frage und so stiegen Sam und ich auf weglosem Gelände über Blöcke hinab in den Grund der Schlucht.

An der letzten Stufe, die wir hinunter mussten, war sein Mut aufgebraucht und jaulend und bellend wollte er nicht mehr weiter. Man hätte meinen können ein ganzes Hunderudel würde dort lauthals bellen. Sollten wir wieder aufsteigen und zurückgehen? Martina kam mir zu Hilfe und forderte ihn erst nett, dann immer strenger werdend auf, die Stufe hinunter zu springen. Schliesslich fasste sich Sam sein Hundeherz und mit ein wenig Mithilfe meinerseits gelangte er zum Schluchtgrund. Da hatte er sich aber ein großes Lob und eine Streicheleinheit verdient!

Kurz vor dem Aussteig beim Aussichtspunkt Belvedere.

Kurz vor dem Ausstieg beim Aussichtspunkt Belvedere.

Es regnete mittlerweile und wir hatten weitere Entscheidungen zu treffen. Konnten wir mit dem Kletterhund Sam auch den Rest des versicherten Steigs gehen? Schon das erste senkrechte Stück nach der Holzbrücke am Grund schätzen wir als kritisch ein. So trennten sich erst einmal unsere Wege, Christian und Sandra stiegen nach rechts auf, wir hielten uns links auf einem schmalen Pfad im Geröll und stiegen langsam in einer steilen, mit dicken Holzpfählen gebauten Pfad im Zickzack zum Aussichtspunkt Belvedere auf.

Oben angekommen, studierten wir den weiteren Routenverlauf des versicherten Steigs und fanden weitere Stellen, die mit Sam nicht machbar gewesen wären. Somit hatte sich die Wahl des Aufstiegs zum Aussichtspunkt Belvedere als richtig erwiesen. Wir waren glücklich.

So sieht er aus, der 1. Fall. Mit Klettersteig.

So sieht er aus, der 1. Fall. Mit Klettersteig.

Der Rest ist nun schnell erzählt, wir stiegen ab und erreichten die in der Pian de Loa grasenden Kühe. Aus irgendeinem Grund mögen Kühe den weiß-schwarzen Sam (er könnte ja auch ein Kalb sein) und schüchtern ihn damit immer wieder mächtig ein. Auch die abweisenden Hände des Rinderflüsterers Bernd wirkten wohl nur auf der Distanz. Erst der abweisende und drohende Stock von Hundeführerin Martina wirkte nachhaltig auf die letzte Gruppe an Rindern, die wir passierten. Sie näherten sich nicht weiter. Zu allem Unglück donnerte es auch noch! Sam musste auf den letzten Metern also wirklich viel aushalten. Aber brav, wie er denn immer so ist (Räuspern), tapste er mit uns zu seinem Faradayschen Käfig im Auto, sicher vor neugierigen Kühen und dem drohenden Donner vom Himmel. Das hatte er sich verdient!

Sam ist schon ein toller Kletterhund!