Foto: Anton Renk Fälle & Hütte

Welch grandiose Landschaft konnten wir im letzten September erleben!

Anton Renk Fälle & Hütte

Anton Renk Fälle & Hütte

Im Vorfeld unserer Tour zum Anton Renk Klettersteig hatte ich nicht weiter recherchiert und somit auch keine Bilder gesucht. Es war anstrengend, aber sehr lohnend!

Und wer jetzt fragt:

„Schreibst Du auch einen Artikel zum Anton Renk Klettersteig?“

Dem antworte ich:

„Jau, der ist in Arbeit.“

Ich habe mir sagen lassen, dass die Ecke auch im Winter sehr reizvoll ist. Stichwort: Eisklettern.

Das Allerletzte:

„Habt Ihr die Hütte und die Fälle auch entdeckt?“

Der Holderli Seppl Klettersteig

Klettersteig! Bah! Pfui!

Naja, nicht ganz, denn meine wirklich, wirklich nette Freundin Martina freute sich schon drauf. Außerdem wollte ich meine Meinung zu Klettersteigen auf den Prüfstand stellen. Eigentlich liebäugelte sie mit dem Anton-Renk- Steig, der aber mit D/E bewertet ist. Ein wenig Ascher, oder? Zudem war es dort nach Aussage des Bergführers unseres Vertrauens noch recht feucht – durch das durchwachsene Wetter eben. Und wir müssen es ja nicht von vornherein übertreiben. Zudem frage ich mich, ob es Klettersteige ab der Schwierigkeit E überhaupt geben sollte? Würde ich da nicht viel lieber in mein dynamisches Seil stürzen wollen? Ein No-Go im Klettersteig!

Also ran an den Holderli-Seppl-Klettersteig im Fernergries.

Und da Bilder mehr als tausend Worte sagen, erst einmal Bilder von unserer Begehung:

Ein paar Worte mag ich aber dann doch noch verlieren:

Mir hat der Klettersteig gefallen, er war mit seiner Bewertung B für mich relativ leicht zu meistern. Zwar waren viele Tritthilfen drin, aber die Reibung der Schuhsohlen konnte durchaus auf die Probe gestellt werden. Im unteren Teil, in etwa bis zur zweiten Hängebrücke, war es stellenweise recht nass. Aufpassen war also schon angesagt. Auch hielt ich mich wohl viel zu oft an dem Stahlseil fest. Das mache ich normal nicht so gerne, da finde ich klettern schon angenehmer.

Die Brücken waren sehr wackelig, ein Abenteuer mit gewissem Nervenkitzel. Aber sehr schön gemacht waren sie. Das war spannend!

Weitere Informationen inklusive einer Topo zum Klettersteig findet Ihr auf climbers-paradise.com oder auf via-ferrata.de.

Zum Ausgangspunkt gelangt man über drei Alternativen:

  • Entweder über die Fahrstrasse der Kaunertaler Gletscherstrasse
  • oder über den Klettersteig lebst, der dann einfach abgeklettert wird – sicherlich nicht die erste Wahl bei viel Betrieb auf dem Steig
  • oder über den Naturpfad Gepatschgletscher

Option 3 war unsere Wahl, sie ist zu empfehlen. Im Tourismusbüro in Feichten sollte sich der Interessierte vorher für 3,- € ein kleines Heftchen über die einzelnen Stationen des Naturpfad Gepatschgletscher besorgen. Dieser wird dann von hinten, also ab der Nummer 11 aufgerollt. Die Stationen sind durch Steintafeln markiert. Diese sind von Fernergries bis zum Ausstiegspunkt des Klettersteigs:

  1. Riffler Bach
  2. Die Pioniere
    Die Vogelwelt
  3. Gletscherstand von 1922
  4. Zwergsträucher
  5. Die Lärche
  6. Gletscherschliff
  7. Eine kleine Gletscherkunde
  8. Das Gletschervorfeld
    Blumenportraits
  9. Das Murmeltier
  10. Der Steinschmätzer
  11. Moorbildung im Hochgebirge

 

Der Kaiserjägersteig – mit Kletterhund Sam

Oh! War das spannend!

Aufstieg zu, Kaiserjägersteig.

Aufstieg zum Kaiserjägersteig.

Der Kaiserjägersteig, der forderte uns vieles ab. Wir mussten Sam helfen, uns mit Steilheit und Altschneefeldern auseinander setzen. Aber der Reihe nach.

Im Aufstieg, noch war es leicht.

Im Aufstieg, noch war es leicht.

Einen Steig wollte Martina nun auch noch machen, ehe wir wieder abreisen mussten. Auf der Hand lag die Via Ferrata M. Strobel, nördlich von Cortina d’Ampezzo beim Punta Fiames gelegen. Der hatte aber einen relativ steilen Aufstieg und einen Abstieg von allerfeinster Sorte durch eine breite Rinne aus Geröll. Das war nix für sie und so beratschlagten wir uns am Morgen, welchen wir denn noch gehen konnten. Die Wahl fiel schliesslich auf den Kaiserjägersteig oben am Passo Falzarego, auch wenn ich dort noch Schneefelder erwartete. Dieser führt durch die alten Stellungen der Österreicher und Ungarn während des 1. Weltkriegs.

Alter Schützengraben der Österreicher und Ungarn. Ein Überbleibsel des 1. Weltkriegs.

Alter Schützengraben der Österreicher und Ungarn. Ein Überbleibsel des 1. Weltkriegs.

So fuhren wir recht spät am Morgen in Richtung Falzaregopass und kamen entsprechend spät dort an. Wollten wir noch einmal fragen, ob der begehbar wäre? Wir entschieden uns dagegen und konnten zu einem späteren Zeitpunkt weitere Personen vor uns im Steig sehen. Zuerst ging es in etwa nach Norden, die steil aufragende Felswand rechts liegen lassend, an deren Spitze das Rifugio Lagazuoi und die Bergstation der Kabinenbahn thronen.

Am ersten Schild bogen wir in westliche Richtung ab und stapfen über Geröll bergauf. Es dauerte auch nicht lange und erste Spuren der alten Stellungen der Österreich-Ungarn waren zu sehen. Ein Blick zurück offenbarte die Lage und den Sinn dieser Anlagen. Links im Blickfeld waren die Cinque Torri zu sehen, dort wo damals die Italiener gelegen hatten. Weiter rechts waren die Croda Negra zu sehen, die die Cinque Torri um einiges überragen.

Ein Blick nach Norden offenbarte uns unsere erste Zwischenstation.

Die Hängebrücke im Blick.

Die Hängebrücke im Blick.

„Eine Hängebrücke! Wenigstens bis dahin möchte ich!“, freute sich Martina. „Wollen wir mal schauen, wie wir dahin kommen.“ Entschuldigung, ich bin immer erst einmal recht nüchtern und zurückhaltend.

Den Zustieg zur Hängebrücke im Blick. Werden wir mit dem Hund weiter kommen?

Den Zustieg zur Hängebrücke im Blick. Werden wir mit dem Hund weiter kommen?

Wenig später konnten wir erkennen, wie wir denn dann auch zur Hängebrücke kommen sollten. Durch meinen Kopf spukte die Frage: „Ob das mit Sam gehen wird?“ Wir sollten es heraus finden.

Schon bei der ersten Stufe des Zickzack Pfads musste ich Sam helfen. Mit seinem Klettergeschirr war das aber überhaupt gar kein Problem. Einfach zugepackt und angehoben, schon war er eine Stufe höher. Und wollte direkt weiter. „Stopp, Freundchen!“

So gingen wir in eine praktische Vorgehensweise über, die sich in den letzten Jahren bei kniffligeren Stellen, wo wir auch mehr aufpassen mussten, über. Ich stieg vor und Sam wartete erst einmal bei Martina – widerwillig, aber es nutze ja nix. Auf Kommando kam er dann zu mir, was auch gut funktionierte. Gleichzeitig kam Martina auch hinterher. Kam Martina bei uns an, ging das Spielchen von vorne los. Oben angekommen, klickten wir uns in das erste Stück der Drahtseilversicherung ein, die Hängebrücke nun nur noch wenige Meter entfernt.

Sam ist die Hängebrücke gar nicht geheuer.

Sam ist die Hängebrücke gar nicht geheuer.

Und was war das für eine Hängebrücke, die war stabil! Da brauchte man sich wahrlich keine keine Sorgen zu machen, dass da etwas schief gehen würde. Nachdem ich sicher am anderen Ende angekommen war und mich in das nachfolgende Drahtseil eingesichert hatte, kamen Sam und Martina nach. Sam war mit einer Schlinge an Martina gesichert, so dass er nicht vorauslaufen konnte. Aber die mit nassen Schnee bedeckte Brücke war ihm nicht geheuer und so kam er langsam hinüber. Für mich eine gute Zeit, um Fotos zu machen.

Ich gehe vor, Sam wird hinterher geschickt und Martina kommen nach.

Ich gehe vor, Sam wird hinterher geschickt und Martina kommen nach.

Nun kam ein Stück, was einem Klettersteig schon näher kam, allerdings deutlich leichter als die Via Ferrata E. Bovero am Col Rosa. Ich übernahm Sam und wir stiegen aufwärts und erreichten eine Tafel, die uns mitteilte, dass hier eine Feldpoststation des Österreichischen Armee gewesen war. Wenig höher hatte man erneut eine Aussicht auf die gegnerischen Stellungen, von deutlich weiter oben.

…und steiler als gedacht...

…und steiler als gedacht…

Nun sahen wir aber auch, was vor uns lag: Altschneefelder. Da mussten wir drüber. Insgesamt waren es vier Stück. Das konnten wir aber noch nicht eindeutig einsehen, aber das erste Schneefeld war schon steil genug, um sich doch ein paar Gedanken zu machen. Sam blieb weiter bei mir und wir folgten der getretenen Spur. Sam tänzelte darüber und wollte auch wieder ein wenig Fellpflege betreiben. Das untersagte ich ihm. Außerdem zerstörte er die getretenen Spur unseres Vorgängers. Aber die passte mir nicht, die Schritte waren selbst mir zu weit, von Martina ganz zu schwiegen. So musste ich hin und wieder mal einen Fußwechsel vornehmen, der Martina störte. Ging leider nicht anders. Ohne die Schneefelder wäre das ein Leichtes gewesen, dort aufzusteigen. So war es dann schon anspruchsvoll.

Steigeisen hätten aber nicht geholfen, die haben nämlich auch so ihre Tücken. Der Schnee war weich und man konnte gut mit den Schuhen Tritte eindrücken. Dafür brauchte man definitiv keine Steigeisen. Die wären im Falle eines Sturzes auch nicht hilfreich gewesen, denn die hätten sich bei nächstem Schneekontakt direkt eingehakt und den Sturz unkontrollierbar gemacht. Allerdings wäre ein Eispickel schon ratsam gewesen. Ich hatte mich aber gegen die Mitnahme entschieden. Zum Glück ist ja nix passiert, aber beim nächsten Mal kommt einer mit. Sicher ist sicher. Auch ein 30m Seil wäre gut gewesen. Merken und in Zukunft mitnehmen.

Platz genug für ihn. Kein Problem.

Platz genug für ihn. Kein Problem.

Völlig anders war das letzte Schneefeld, was es zu überwinden galt. Am Fels war durch das Abschmelzen bereits eine breite Lücke entstanden und Sam wählte diese Lücke, um weiter nach oben zu kommen. Brav folgten wir. Am obersten Punkt mussten wir uns klein machen und unter einer kleinen Schneebrücke hindurch kriechen. Mit einem ziehenden Sam war das auch eine Herausforderung, denn danach ging es direkt bergab – zwischen Fels und Altschnee. Da musste man sich schon ein wenig festhalten.

…oder?

…oder?

Als wir das hinter uns gebracht hatten, stapften wir größtenteils über Fels und Schnee weiter. Es gab immer wieder ein Drahtseil, auch mal eine Holzbrücke, wo man ungesichert hinüber gehen musste und Martina fragte: „Warum haben die hier kein Drahtseil?“ Dann kam die letzte unangenehme Stelle, eine ungesicherte Stelle mit Schnee von ca. 2m und links ging es steil bergab.

Altschnee auf Holzplanken, nicht sehr schön...

Altschnee auf Holzplanken, nicht sehr schön…

Mit lang machen – kenne wir ja vom klettern – meisterten wir diese und mussten nicht mehr weiter aufsteigen. Geschafft.

Brrr, das zog aber gewaltig, so dass Sam sich auch unwohl fühlte und zum Gehen drängte. Martina und ich zogen uns unsere Windjacken an, blickten uns um und starteten nach ein paar Fotos wieder. Diesmal zum Gipfelkreuz, was Sam fast geradlinig ansteuerte. Selbst hier konnte man Spuren des 1. Weltkriegs sehen, denn ein Kunstwerk aus altem Weltkriegsmaterial (hier Stacheldraht und eine alte Mörserhülle) war aufgestellt.

Gipfelfoto. Herzlichen Dank an den unbekannten Fotografen! Haben wir nicht so oft.

Gipfelfoto.
Herzlichen Dank an den unbekannten Fotografen! Haben wir nicht so oft.

Ein junges deutschsprachiges Pärchen schaute uns etwas unglaubwürdig an, als wir mit Sam ankamen. „Seit Ihr den Steig mit dem Hund gegangen?“ „Ja, sind wir„, antworteten wir, „ging ganz gut, aber die Schneefelder waren nicht so schön.“ Da wir dusseligerweise keine Namen ausgetauscht hatten, muss ich mich jetzt dem anonymen Pärchen für das Gipfelfoto von uns dreien danken. Danke!

Ein letztes Stück…

Ein letztes Stück…

Noch bevor wir am Rifugio Lagazuoi waren, hatten wir uns entschieden mit der Kabinengondel abzufahren. Auch wenn der Stollen sicherlich interessant gewesen wäre, aber auch dort waren Schneefelder vorhanden, wir wir erfuhren. Bleibt noch das ältere Paar aus Südafrika zu nennen, mit denen wir uns sehr nett unterhielten. Die Dame war von Sam (der alte Charmeur 😉 sehr begeistert und hin und weg, dass wir den Kaiserjägersteig mit ihm gemacht hatten.

… und es geht bergab zum Ruf Lagazuoi und der Seilbahn.

… und es geht bergab zum Ruf Lagazuoi und der Seilbahn.

So endete unser erlebnisreicher Tag gegen 13.40 Uhr an der Seilbahn. Wir gingen direkt zum Auto und fuhren zurück in unser schönes Apartment, denn aufgrund des Wetters waren Christian und Sandra nicht zum Pass gekommen. Wir wollten zwar noch klettern gegangen sein, aber der Tag war ausreichend mit Bewegung gefüllt gewesen.

Ich sollte noch anfügen, dass der Kaiserjägersteig kein eigentlicher Klettersteig ist, ich sehe ihn eher als anspruchsvolleren Pfad mit Drahsteilversicherung an. Im Vergleich zum E. Bovero am Col Rosa ist sehr wohl mit der Schwierigkeit A einzustufen. Wir waren sicherlich zu früh da, die Altschneefelder sollten schon geschmolzen sein, dann wäre er noch deutlich einfacher zu gehen. Er bietet schöne Aussichten in Westen, Süden und Osten. Sehr spannend war es mit unserem Sam, der ist schon ein toller Kletterhund!