Die erste echte Skitour

Vor so ziemlich genau elf Monaten war es dann doch endlich so weit:

Die erste echte Skitour!

Martina ist dafür ja nicht so zu haben, sie fährt die Berge lieber auf präparierten Pisten runter. Hoch bevorzugt sie Liftanlagen. Ausprobieren wollte ich es ja schon seit einiger Zeit (Eine Einschätzung und ein Selbstversuch).

Im Pulverschnee soll es ja wirklich schön sein. Soll es das?

Hmmm, vielleicht, aber das ist derzeit (noch) nichts für mich. Das Tiefschneefahren bekomme ich noch nicht hin.

Was also tun, wenn es mit dem Skifahren im Pulver nicht so klappt?

Richtig, warten auf die Zeit in der die Wetter- und Schneebedingungen passen.

Dazu brauchte es lediglich Sonne und einen ordentlichen Firn. Mehr nicht.

Im April 2015 war es soweit. Wir waren erneut im Kaunertal und an der Ochsenalm fanden wir nachmittags bereits Sulz vor. Das Wetter war wieder hervorragend, es herrschte akute Sonnenbrandgefahr und im Tal war es südseitig auch sehr ordentlich warm. Felslettern war durchaus eine Alternative.

Ging ich alleine auf Skitour?

Oh nein! Vergiss das mal ganz schnell, denn als blutiger Anfänger wäre das sträflich. Also wurde das Engagement des Bergführers meines Vertrauens angefragt, dem Reinhold Plankensteiner aus Feichten im Kaunertal.

Wir verabredeten uns und ich verließ ihn mit der Bitte, eine relativ kurze Skitour mit bis zu ca. 2-3h Aufstieg aufzusuchen. Mehr hielt ich für nicht sinnvoll. Ich wollte dies ja mal ausprobieren und mich nicht direkt überfordern.

Zu einer halbwegs christlicher Zeit, so um 7 Uhr morgens, holte ich ihn vor seinem Geschäft ab und wir fuhren die Kaunertaler Gletscherstraße hinauf. Nach vielen Kehren parkten wir als erstes Auto am Krumgampental auf ca. 2400m Höhe. Dort sollte es also hinein gehen. Es sollte sich lohnen!

Kurz nach dem Start

Immer hinterher, denn Reinhold weiß ja auch, wo er mich hinführen wird.

Zuerst noch im Schatten fanden wir uns recht schnell in der Sonne wieder. Sehr angenehm. Der Firn war steinhart. Einsinken? Nix da! Wir kamen stetig vorwärts.

Reinhold voraus und ich versuchte ihm an den Fersen zu bleiben. Das klappte ja mehr oder weniger gut. Zuerst besser, später immer schlechter…

Als kleine Übung stiegen wir in einen Hang mit Ausrichtung Nord-Ost ein. Der war ganz schön steil und ich durfte ihn sehr aufmerksam auf den Stahlkanten queren.

„Wie schätzt Du denn die Steifheit ein?“

„Hmm, co 40-45 Grad.“

„Gut geschätzt, 42 Grad.“

Glück gehabt. 😉

Die Rinne

Da ging es durch bevor wir mal unsere Position auf der Karte suchten. Stichwort: „Gelände“

Ab ging es in eine kurze Rinne zu unserem Pausenplatz. Hatte der Reinhold doch nicht gefrühstückt!

„Wo sind wir denn jetzt? Mach mal eine Positionsbestimmung.“

Also Karte raus und in etwa der Geländebeschaffenheit ausrichten. Gletscherstraße, Krumgampental, Glockturm suchen und auf den Höhenmesser schauen. Kopf hin und her drehen (zum gucken).

„So ungefähr in diesem Bereich.“ (Mein kreisender Finger auf der Karte)

„Guck mal, da ist die Rinne.“ (Sein zeigender Finger auf der Karte)

„Ah, also hier.“

„Genau, an diesem See. Da gehen wir auch gleich rüber, Kräfte sparen.“

Pause beendet und weiter ging es.

Abgehauen

Der Reinhold ist einfach stark. Keine Chance mitzukommen. Die kommenden Spitzkehren waren eine Herausforderung.

Es wurde langsam steiler, Reinhold lief größere Radien, die schließlich zu Spitzkehren wurden. Uh, steil hier. Und Reinhold war eine halbe Ewigkeit weg! Nein, er war eigentlich schon oben.

Mit meiner Atmung ging es eigentlich ganz gut, aber sein Tempo war mir definitiv zu schnell. Zudem hatten wir in den höheren Lagen ab ca. 2600-2700m Frühjahrsfirn. Das war wie ein grober Pulverschnee, aber durchaus rutschig. Aufgrund der Steilheit konzentrierte ich mich sehr bei den Spitzkehren sehr. So ein wenig Gefluche war auch dabei, wenn ich den zweiten Ski umsetzen wollte. Wie ungelenkig ich mir vorkam!

Und dann war ich oben, 3070m.

Ski abschnallen.

Pause.

Aussicht betrachten. In alle Richtungen.

Weisseespitze

Da isse, die Weissseespitze! Da will ich auch mal drauf!

Schön.

Der Bernd war zufrieden!

Oben!

Happy Bernd! (Foto: Reinhold)

Dann kam die Abfahrt.

„Das finde ich aber schon ganz schön steil.“

„Trau Dich!“

Na, runter musste ich ja schon, denn die Martina und der Sam warteten ja auch schon. Also erst einmal einen Schwung probieren. Oh, Frühjahrsfirn, so ein bisserl Pulver. Geht ja! Cool. Das ging ja sogar deutlich besser als gedacht. Cooler. Das war besser als knallharte Piste. Noch cooler!

Einen Schönheitspreis für meine Skitechnik hätte ich nicht gewonnen und Reinhold hatte noch das ein oder andere Wort zur Technik für mich parat.

Dann waren wir auch schon fast wieder runter und liessen einfach laufen, um den Schwung bis zum Auto mitzunehmen. Und schon war die erste echte Skitour vorbei.

Pünktlich um 12 Uhr statteten wir dann dem Gepatschhaus eine Besuch ab. Ein Radler durfte es ja schon sein, oder?

„Morgen kannst Du ruhig wieder auf Skitour, es besteht bei dem Wetter keine Lawinengefahr.“

Ja, es wäre sehr cool gewesen, aber alleine gehe ich mit meinem derzeitigen Wissen- und Können aus Prinzip nicht alleine auf Skitour. Auch wenn das Wetter bombig war.

Werde ich Wiederholungstäter?

JA!

Die Tour auf Alpenvereinaktiv.com:

NOCH EINBAUEN!

Galerie

 

Bergziel: Schweikert

Auf den Schweikert sollte es also gehen. Den hatte Martina schon seit einiger Zeit auf dem Schirm. Also machten wir uns eines morgens auf, um ihm auf sein Haupt zu steigen.

Ein paar Fakten zum Schweikert:

  • 2879m (oder 2881m, wie hoch auch immer)
  • zweithöchster Berg des Hochrinneggmassivs
  • Aufstieg in 2-3 Stunden von der Verpeilhütte
  • Alpenvereinsführer Ötztaler Alpen, Bergverlag Rother
  • Alpenvereinskarte 1:25.000, Blatt 30/3, Kaunergrat

Manchmal sind Flachlandtiroler ja auch ein wenig faul und so parkten wir unseren fahrbaren Untersatz unterhalb der Verpeilalm, schulterten die Rucksäcke und machten uns auf dem schmalen Weg in Richtung Verpeilhütte.

Verpeilhütte

Verpeilhütte mit Schwabenkopf

Und was erlebten wir nach halber Strecke? Alpine Gefahren! In Form einer Kuh. Ihr lacht? Lacht weiter, wir gingen dafür langsam und bedächtig an ihr vorbei. Bloß nicht aufregen!

Lange hielten wir uns auf der Verpeilhütte aber nicht auf, denn wir wollten ja nach oben. Aber Agnes und ihrem Team einen guten Morgen zu wünschen, dafür war auf alle Fälle Zeit! Ein Skiwasser war obligatorisch, trinken musste sein.

Blick Richtung Schweikert

Blick Richtung Schweikert

So überquerten wir dann den Verpeilbach und stiegen durch den dortigen Wald auf. Die Strecke zum Schweikert ist insgesamt relativ kurz und der Aufstieg entsprechend steil. In Grashängen erreichten wir den Abzweig zum Kletterfelsen, ließen ihn aber rechts liegen, um unseren Weg fortzusetzen.

Dieser ist markiert und ausgetreten sowie teilweise mit Stahlketten gesichert. Er ist teilweise sehr ausgesetzt und ein Fehltritt kann fatal enden! Absolute Trittsicherheit ist meiner Meinung nach also gefordert. Im oberen Bereich von Schrofen und Bändern finden sich immer wieder kurze Kraxeleinlagen im I. Grad, die aber überschaubar sind und gut gemeistert werden können.

Ich halte einen Helm streckenweise für nicht verkehrt, was jeder für sich selbst aber entscheiden muss. Ein Klettergurt ist nicht notwendig.

Lediglich auf dem Rückweg trafen wir ein Pärchen, ansonsten waren wir alleine unterwegs. Alleine? Naja, nicht ganz, denn wir konnten ebenfalls zwei Steinböcke beobachten. Eine Steinbockmama – in Fachkreisen Geiß genannt – und das kleine Steinböckchen. Die waren auch gar nicht so weit weg. Um sie nicht zu beunruhigen, verlangsamten wir unser Tempo und stiegen einfach gemächlicher auf. Dabei schielten wir immer wieder in ihre Richtung. Es machte Freude Ihnen zuzuschauen. Während sich das Jungtier eher im Hintergrund hielt, war die Geiß immer zu sehen. Beim Abstieg konnten wir dann schließlich beide beobachten.

Eine Gams

Eine Geiß

So nah waren wir dran...

So nah waren wir dran…

Der Gipfel war erst sehr spät zu sehen und eine rot-weiße Stange markierte die anzupeilende Stelle, um zum Gipfel zu kommen.

Am Gipfel erwartete uns wieder ein wenig Kraxelei, die wir fix hinter uns brachten. Es ging dann übrigens ein kurzes Stück bergab. Am Gipfelkreuz war dann die wohlverdiente Pause angesagt.

Mehr Gekraxel...

Mehr Gekraxel…

Auf dem Gipfel des Hochrinnegg waren für kurze Zeit zwei Personen zu sehen. Dann sollte es ja auch eine Tour dorthin geben. Laut der Sektion Frankfurt/Main gibt es da sogar ganze vier alpine Kletterrouten in den Schwierigkeitsbereichen II bis V.

Es eröffnete uns nicht nur ein Blick zu den benachbarten Gipfeln wie Gsallkopf oder Rofelewand sondern auch eine herrliche Aussicht nach Feichten ins Kaunertal. Vor dort führt eine ausgesetzte Klettertour im 5. Schwierigkeitsgrat zum Gipfel.

Feichten im Kaunertal

Feichten im Kaunertal

Fazit

Ja, schöne Tour, schön steil und ausgesetzt. Trittsicherheit ist unbedingt notwendig. Eine Sichtung von Steinböcken ist ja immer ein Highlight. Die Aussicht auf dem Weg ist grandios und alle, die sich für die Berge rundherum interessieren, sollten die Tour allein zu Orientierungszwecken durchführen.

Ich würde den Schweikert nicht mit kleineren Kindern machen. Dafür bieten sich zuerst eher der Mooskopf oder der Madatschkopf an, die als klassische Wandergipfel angesehen werden können. Deren Ausgangspunkt stellt ebenfalls die Verpeilhütte dar.

Die Tour

Schweikert auf Alpenvereinaktiv.com

Die Tour auf Alpenvereinaktiv.com

Bildergalerie

Foto: Schwabenkopf

Schwabenkopf

Schwabenkopf und Morgensonne

Fotografiert beim morgendlichen Aufstieg zum Schweikert via der Verpeilhütte.

Ein paar Infos zum Schwabenkopf:

 

So ungefähr 742km bis zum Bergglück

Unsere Route:

Westfalen

A44

A7

Fernpaß

Imst

Landeck

Kaunertal

Unser Bergglück liegt im tirolerischen Kaunertal:

Abschalten

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