Frühlingshafte Winterbloggerwanderung im Siebengebirge

Irgendwie war es dem Outdoormädchen Corinna wohl langweilig geworden, so dass sie per Facebook zu einer Winterwanderung einlud. Als Ziel stellte sich relativ schnell das Siebengebirge heraus. Gut, altes Hausgebiet, kenne ich ganz gut. Also einen Tourenvorschlag mit den wichtigsten Eckpunkten gepostet.

Offensichtlich war die Vorfreude über die Tour recht groß. Oder wollten alle nach der Winterstarre nur wieder raus? Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich …

Musste ich ja sagen, denn ich hatte die Mördertour mit folgenden Eckpunkten ja ausgesucht! 😉

Weilberg, Kloster Heisterbach, Petersberg, Nonnenstromberg, Rosenau, Oelberg und (Option) Stenzelberg

So trafen wir uns morgens um 10.00 Uhr am Parkplatz „Im Mantel“ zwischen Heisterbacherrott und Oberdollendorf. Der Parkplatz ist nicht nur mit dem Auto, sondern auch per Bus gut zu erreichen.

Am Weilberg zeigte sich das Wetter von seiner angenehmen Seite, denn vom Winter war weit und breit nichts zu sehen. Die Sonne schien und der Frühling war eingekehrt.

Am Weilberg wurde dem Siebengebirge am 15. Oktober 1971 das „Europäische Diplom“ für geschützte Gebiete vergeben. Hier ist die geologische Geschichte des Siebengebirges verdeutlicht. Im alten Steinbruch sieht man im oberen Teil Trachyttuff, der vor ca. 25-30 Millionen Jahre als Ascheregen niederfiel. Basaltmagma drang zu einem späteren Zeitpunkt nach oben und wölbte die Bergkuppen. Der Basalt durchbrach hier die Schicht des Trachyttuffs aber nicht, verbrannte aber den Kontaktbereich zum Tuff, so dass diese rot verfärbt übrig blieb. Als nächste Station hatte ich mir das Klosterruine Heisterbach ausgesucht, eine ehemalige Zisterzienserabtei von der lediglich die Chorruine erhalten blieb. Folgende Geschichte ist überliefert:

Der Mönch von Heisterbach von Wolfgang Müller von Königswinter

Ein junger Mönch des Klosters Heisterbach
Lustwandelt an des Gartens fernstem Ort.
Der Ewigkeit sinnt still und tief er nach
Und forscht dabei in Gottes heil’gem Wort.

Er liest, was Petrus der Apostel sprach: Dem Herren ist ein Tag wie tausend Jahr Und tausend Jahre sind ihm wie ein Tag. Doch wie er sinnt, es wird ihm nimmer klar.

Und er verliert sich zweifelnd in den Wald.
Was um ihn vorgeht, hört und sieht er nicht.
Erst wie die fromme Vesperglocke schallt,
Gemahnt es ihn der ernsten Klosterpflicht.

Im Lauf erreichet er den Garten schnell; Ein Unbekannter öffnet ihm das Tor. Er stutzt – doch sieh, schon ist die Kirche hell Und draus ertönt der Brüder lauter Chor.

Nach seinem Stuhle eilend tritt er ein.
Doch wunderbar, ein andrer sitzet dort,
Er überblickt der Mönche lange Reih’n:
Nur Unbekannte findet er am Ort.

Der Staunende wird angestaunt ringsum, Man fragt nach Namen, fragt nach dem Begehr, Er sagt’s, da murmelt man durchs Heiligtum: Dreihundert Jahre hieß so niemand mehr.

Der letzte dieses Namens, tönt es laut,
Er war ein Zweifler und verschwand im Wald;
Man hat den Namen keinem mehr vertraut,
Er hört das Wort, es überläuft ihn kalt.

Er nennt den Abt und nennt das Jahr. Man nimmt das alte Klosterbuch zur Hand, Da wird ein großes Gotteswunder klar: Er ist’s, der drei Jahrhunderte verschwand.

Der Schrecken lähmt ihn, plötzlich graut sein Haar.
Er sinket hin, ihn tötet dieses Leid.
Und sterbend mahnt er seiner Brüder Schar:
Gott ist erhaben über Ort und Zeit.

Was er verhüllt, macht nur ein Wunder klar. Drum grübelt nicht, denkt meinem Schicksal nach. Ich weiß, ihm ist ein Tag wie tausend Jahr, Und tausend Jahre sind ihm wie ein Tag.

Nachdem wir das Klostergelände wieder verlassen hatten, schlenderten wir entlang der Klostermauser zum Rheinsteig, der uns zuerst auf breiteren, später auf schmalem und teilweise doch recht steilem Pfad auf den Petersberg, einen der sieben Berge, führte. Der Petersberg wurde früher auch Stromberg genannt. Heute kann man von der dortige Terrasse des 5-Sternehotels eine umschweifenden Blick auf das Rheintal geniessen. Geschichtlich erlebte der Petersberg ebenfalls so Einiges, u.a. war er nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz der Alliierten Hohen Kommission und später Bundesgästehaus. Auch die beiden Afghanistan-Konferenzen in 2001 und 2002 fanden dort statt.

Über den Nonnenstromberg, der übrigens kein Aussichtsgipfel ist, gelangten wir zum Einkehrhaus Waidmannsruh. Dort musste dann wohl doch einmal eingekehrt werden, da einige durstig, andere hungrig waren. Manche sogar beides. Hier erwischte uns eine kleine Regenschauer, so dass es anschließend bunt gekleidet weiter ging.

Klaro! Die Burgruine „Rosenau“, die für sich genommen eher unspektakulär ist. Viel weiß man über sie nicht, sie gehörte aber wohl zum Erzbistum Köln und war damit vermutlich eine mit dem Drachenfels und der Wolkenburg eine Schutzburg gegen die weiter südlich ansässigen Feinde, namentlich den Grafen von Sayn mit der Löwenburg.

Natürlich stand den Outdoor-Bloggern noch eine Herausforderung hervor, die sie zu dem Zeitpunkt des Abstiegs von der Burgruine Rosenau noch nicht erahnten. Zudem verschleierte ich heimtückisch diese fiese Passage, indem ich sie märchenhaft durch ein vom Sturm Kyrill lichtes Waldstück führte. Jetzt aber lauerte der fiese Anstieg zum Oelberg auf alle nichts ahnenden Blogger (außer mir natürlich ;-). Dabei ist der gar nicht so steil, zum Petersberg war es ja auch nicht ohne gewesen. Außerdem genießt man in der Gaststätte vom höchsten Punkt des Siebengebirges entweder Kaffee und Kuchen oder die Aussicht. Und wenn es die Sicht auf die herannahende Regenwolke ist.

Immerhin schafften wir es vorher aber auch noch trockenen Fußes zu einem luftigen Gruppenfoto:

Wieder in tieferen Gefilde, nicht geschützt vom sich noch versteckenden Blätterdach, packte Axel seinen Kocher aus.

Nach der Stärkung und genügend Zeit marschierten wir auf kleinen Umwegen am Rande des Waldes zum Stenzelberg, einem alten Steinbruch und Klettergebiet. Leider ist das Klettern verboten, weshalb Freunde dieses Sports umweltunfreundlich in die Eifel oder noch weiter fahren müssen, wenn Sie draußen in der Natur klettern wollen.

Abstieg vom Stenzelberg beim #bloghike im Siebengebirge #wandern #wanderung #siebengebirge

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Auf der nächsten Runde erkunden wir mal die Seite Sayn des Siebengebirges mit meinem Lieblingsberg, der Löwenburg.

Die Berichte der anderen:

Das musste ja wieder kommen, aber cool war es trotzdem!

Ich liege in meinem Bett und wache wiederholt auf. Immer wieder, weil ich mich immer von rechts auf links und umgekehrt drehe. Und jedes Mal erwache ich und stöhne leise vor mich hin. Musste das denn wieder sein? War es denn wirklich nicht absehbar gewesen, dass das passieren würde?

Ein Tag vorher. Sonntag. Morgens. 5.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich stelle ihn aus und lasse meinen Kopf wieder in das Kissen fallen. Ich bin müde.

Eine knappe Stunde später stehe im Wald. Es ist kalt. Vielleicht sind es 5 oder 6 Grad. Es ist noch dunkel, aber der Tag deutet sich schon an. Trotzdem schalte ich meine Stirnlampe auf deren geringste Helligkeit und laufe langsam los. Meine Finger sind kalt. Ich habe keine Handschuhe mitgenommen.

Der beginnende Tag macht etwas völlig anderes als meine Stirnlampe. Der Tag wird heller und meine Stirnlampe wird immer schwächer. Und dann, aus die Maus, blödes Ding. Auf der Lichtung komme ich aber schon gut ohne sie aus. Und jetzt hab‘ ich sie am Hals – als überflüssigen Ballast.

Das Reh rechter Hand schaut lediglich, als ich an ihm vorbei laufe. Ob es weiss, dass ich es gesehen habe?

Es geht ein wenig bergan ehe ich kurz vor der Rosenau zum Stenzelberg abbiege. Der Pfad ist mir seit meinem letzten Lauf bekannt. An dessen Ende biege ich wieder nach links zum Einkehrhaus ab. Dort ein Frühstück würde mich jetzt völlig aus der Bahn schmeißen.

Am Nonnenstromberg

Am Nonnenstromberg

Einen kurzen Blick auf die Wanderkarte und ab geht die Post, hinauf zum Nonnenstromberg! Das geht sehr gut, ein wenig hin und her gesprungen wegen dem Matsch. Nur mit der Aussicht und dem Foto, da haperte es. Immerhin bekam ich noch ein anderes hin. Und schon bin ich auch schon beim Abstieg, der sich angenehm laufen lässt. Ich halte mich wieder links und erreiche ein Stück geteerte Straße, die mich zurück zum Einkehrhaus führt.

Einen kleinen kleine Anstieg später bin ich an der Burgruine Rosenau und begegne beim anschließenden Abstieg einer Läuferin. Aha, bin ich so früh also nicht allein unterwegs. Kaum wieder auf dem Verbindungsweg Einkehrhaus/Rosenau zur Margarethenhöhe biege ich nach rechts ab und schlage mich in die Büsche. Auf schmalen Pfad bergauf kann ich schließlich feststellen, dass er wieder freigeschnittene wurde. Das war beim letzten Mal noch nicht der Fall gewesen.

Schon einige Zeit unterwegs horche ich in mich hinein. Sollte ich den Ölberg links liegen lassen? Ich entscheide mich für das links liegen lassen und überquere die L313 an der Margarethenhöhe. Nächstes Ziel ist der Lohrberg. Vorbei am Nasseplatz führt mein Pfad wieder bergauf.

„Ich zieh das jetzt durch, bis dort oben!“ Am Lohrbergrundweg, am Ende des Abschnitts, ist dann aber Schluss. Eine kleine Gehpause mit Blick auf Petersberg und Drachenfels gönne ich mir und meinem Herzen.

Laufend erreiche ich dann über schmalen Pfad den Lohrberg. Die kleine Plattform aber kennt keine Aussicht, lässt mich direkt umdrehen und die Schutzhütte am Trenkeberg ansteuern. Kurz hinauf und die Schuhe ein wenig enger geschnürt, denn das Bergabgelaufe wird anspruchsvoll! Konzentration ist angesagt. Die Verlängerung zur Frühmesseiche, um mir geteerten Weg zu ersparen, bringt mir nun noch mehr Höhenmeter ein…

Ohne geteerte Straße zum Löwenbürger Hof geht es aber nicht. Der Entschluss, die Besteigung der Löwenburg auf schmalem Pfad gehend durchzuführen, wird immer lauter. Und so geschieht es. Oben in der Ruine, die saniert wird, bin ich ganz alleine. Wenn ich nur kurz. Drei Mountainbiker erreichen sie, ehe ich wieder bergab laufe. Kurz gegrüßt und weiter geht’s. Diesmal nehme ich den breiten Weg und am Ende nach rechts durch den wunderschönen Bestand aus alten Buchen!

Ich will jetzt nur noch zum Auto, die Lauferei hatte mich geschafft und den Ölberg lasse ich Widerlings liegen. Das will ich heute nicht mehr. Ich bin schon drei Stunden unterwegs!

Ich wusste, es war lang gewesen. Meine Uhr zeigt 21 km. Und über 600 Höhenmetern im Anstieg.

Das reichte wohl doch, um Muskelkater zu bekommen! Aber cool war’s trotzdem. 🙂

Wiederholungstäter

Ich…

Wiederholungstäter…

Aber der Reihe nach!

Rückblende:

Vorletzten Sonntag war ich laufend im Siebengebirge unterwegs und holte mir einen saftigen Muskelkater. Der Grund war denkbar einfach: Ca. 2 Wochen kein Training, ca. 350 Hm bei knappen 10 km Strecke. Erklommene Berge waren der Ölberg und der Lohrberg, zwei die sieben Berge. Immerhin dauerte es ja nur 3-4 Tage, ehe der Muskelkater weg war. Das war also schon ganz ordentlich.

Letztes Wochenende:

Ich schrieb es schon: Wiederholungstäter!

Gleiche Ausgangsposition, nur ca. 45 Minuten später als in der Vorwoche. Das ist aber nur ein unbedeutendes Detail und Ihr könnt es direkt vergessen. Der Start war also um 07.00 Uhr morgens in der Nähe des Hotel im Hagen am Ölbergrundweg.

Vorbei am kleinen Ölberg (ohne Besteigung) und weiter in Richtung Westen bis ich nach Norden nach Thomasberg abbog und auf einem vom vielen Regen zerfurchten Wirtschaftsweg (Allrad wäre auch schwer gewesen) bergab lief. Kaum waren die ersten Häuser erreicht, bog ich ungefähr nach Westen ab, um wieder in den Wald zu kommen. Leicht bergauf entschloss ich mich kurz vor dem großen Verbindungsweg Einkehrhaus zu Margarethenhöhe das Ausflugslokal Einkehrhaus links liegen zu lassen und direkt zum Stenzelberg zu laufen. Den Trampelpfad kannte ich noch nicht.

Mein Weg führte mich um den Stenzelberg herum zum Mantelparkplatz an der Verbindungsstrasse Heisterbacherrott nach Oberdollendorf. Diese wurde überquert und der nördlichste Nebengipfel des heutigen Tages anvisiert.

Ach, natürlich wusste ich, wo ich war, aber Ihr könnt es ja immer noch erraten, denn Angelica hat es ja nicht direkt verraten.

Tja, Angelica, da muss ich dann wohl 2015 mal hin. Danke für den Tipp!

Ach, ich verrate es Euch einfach, ich war am…

Weilberg

Weilberg

Schön war es da, ich drehte um, bog nach Osten ab und umrundete den Weilberg, ehe ich am tiefsten Punkt der Tour erneut die Strasse zwischen Heisterbacherrott und Oberdollendorf queren musste. Das war dann am Kloster Heisterbach. Ich wäre ja gerne noch einmal dort hinein gegangen, aber die Pforte war noch geschlossen.

Bis dahin kann der umweltbewusste Bürge aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, die Bushaltestelle ist sehr schön geworden. Hoffentlich sammeln sich dort mal keine Bekloppten, die die ein oder andere Hirnzellen der Zerstörungswut zuviel haben…

Kloster Heisterbach

Kloster Heisterbach

Und dann streikte die mobile Verbindung bzw. ich war nicht geduldig genug und so wurde das nix mit dem Tweet. Egal, zur Beruhigung bog ich hinter den Klostermauern nach Südwesten zum einzigen richtig Berg dieser Runde ab, dem Petersberg. Bekannt als Veranstaltungsort für die erste Afghanistankonferenz lief und ging ich auf dem Rheinsteig der dollen Aussicht entgegen.

Die dolle Aussicht war genauso auf den Drachenfels und die Drachenburg vorhanden, nicht nur dem Rhein. Aber jetzt sputen, es war schon spät und frühstücken wollte ich auch noch. Also die Schnellschnürung der Schuhe fester gezogen und hinab mit mir zum Einkehrhaus Waidmannsruh! Diesmal liess ich den Nonnenstromberg rechts von mir liegen und bog zur Rosenau nach Süden ab. Dort ist noch eine alte Ruine erhalten, die so langsam zuwächst. Da könnte man ja eigentlich mal eine Aktion zum säubern der Treppe durchführen. Interesse mitzumachen?

Dort erhascht man auf Zehenspitzen einen weiteren Blick nach Westen zum Rhein, dreht man sich um, so springt der Ölberg ins Auge, gar nicht zu übersehen mit seinem Funkmast. Der Junge treibt zur Eile und so geht es noch ein letzten Mal das bisschen Berg hinunter. Es folgt ein breiter Waldweg und der bereits vom Vorsonntag bekannte Ameisenpfad. Hatte ich doch nicht darauf geachtet, dass dort überhaupt noch Ameisenhügel waren, so trat ich fast eine Ameise platt. Es gibt sie also noch, da bin ich ja beruhigt.

Schliesslich komme ich wieder auf den Ölbergrundweg und trabe den relativ locker zur Margarethenhöhe durch. Das letzte Stück zum Auto ist geteert und ich mag nimmer. Irgendwas mit 14 km sagte mir meine gute Ambit und ich entschloss mich: „Das reicht jetzt!“ Meine Wasserflasche trinkend latschte ich nun gen Auto und beendete diese Runde schliesslich nach 15,5 km und ca. 435 Höhenmetern.

Danke!

Das war doch wieder was.

Trailrunning im Siebengebirge

Morgens früh im Walde des Siebengebirges:

Trailrunnig Schuhe

Trailrunnig Schuhe

Zeit zurück gedreht:

Früh morgens zu nachtschlafender Zeit ich wache auf: 5.42 Uhr. Oh, sehr schön, perfektes Timing ohne Wecker! Und drehe mich noch einmal kurz um.

Ein zweites Mal schaue ich auf die Uhr, diesmal sind es 6.02 Uhr. Nun ist es aber Zeit aufzustehen! Das Siebengebirge wartet. Signalfarbenes Leibchen, Pulsuhr, leichte Laufbutz angezogen, in die Schuhe geschlüpft und ab ins Auto. Ich hätte ja auch von zu Hause aus starten können, wie ich es bereits einmal gemacht hatte. Aber es sollte heute etwas anders werden.

In der Nähe des Hotels im Hagen stelle ich mein Auto ab, starte die Uhr und los geht es in westlicher Richtung auf dem Ölbergrundweg in Richtung kleinem Ölberg. Da mein Trainingspensum in letzter Zeit ein wenig gelitten hatte, laufe ich schön langsam los. Noch geht es auf breiten Forstwege voran, hinter dem kleinen Ölberg halte ich mich rechts und laufe bergab in Richtung Verbindungsweg Margarethenhöhe zum Einkehrhaus. Dort biege ich in südlicher Richtung zur Margarethenhöhe ab. Kurz drauf laufe ich nach rechts und wechsle auf einen Pfad. Den gingen wir früher immer in der anderen Richtung, um die Ameisenhügel zu sehen.

Stetig geht es bergauf und als der höchste Punkt erreicht ist, empfängt mich ein wahrer Trail. Fast zugewachsen ist er! Das nächste Mal muss wohl die Machete mit. An stacheligen Brombeeren und Brennnesseln vorbei geht es voran, um bald wieder auf den Ölbergrundweg zu treffen. Hinter der kleinen Schutzhütte geht links ein recht breiter Weg hoch zum Ölberg. Den geht es hinauf, erst laufend, dann gehend. Flottes Gehen lässt meine Herzfrequenz trotzdem auf knapp 160 ansteigen. Reicht. Der Weg wird schmäler, ich muss einmal nach rechts abbiegen und treffe wenig später auf den Fahrweg zum Ölberg. Das dort liegende Restaurant muss ja versorgt werden.

Beim ersten Gipelziel:

Leider war das Restaurant noch geschlossen. Bei guter Sicht kann der Neugierige bis nach Köln sehen, sogar der Dom ist erkennbar. Und zur anderen Seite einen Blick auf die Löwenburg erhaschen.

Bei bemerkenswerten Bedingungen:

Zu meinem Erstaunen sind bereits zwei junge Burschen dort oben. Die Aussicht ist Null und ich mache mich schnell auf den Weg hinunter zur Margarethenhöhe. Zuerst entlang des Fahrwegs, dann – wegen eines umgestürzten Baumes – die steile Abkürzung hinunter. Ich stosse mit den Zehen vorne an den rechten Schuh. Hmmm, doch zu klein oder einfach nur nicht fest genug gebunden?

Unten ist kein Auto auf dem Parkplätzen zu sehen. Kein Wunder, oben auf dem Ölberg waren es ja gerade erst um die 7.00 Uhr. Da schlafen normale Leute ja noch…

Aufgrund des nicht stattfindenden Verkehr ignoriere ich – aber wirklich nur ausnahmsweise – die rote Fußgängerampel und quere die Straße Ittenbach / Königswinter in Richtung Lohrberg und Löwenburg im Laufschritt. Schnell geht es wieder ein den Wald, auf dem Wirtschaftsweg zum Nasseplatz. Dort ist es sehr licht geworden, wurden doch viele Bäume gefällt. Rechts, auf westlicher Seite des Eingangs zum Nasseplatz führt ein recht schmaler Pfad in die richtige Richtung. Den geht es hinauf, um die Abzweigung zum Lohrberg/Trenkeberg nicht zu verfehlen. Das konnte aber nicht passieren, denn dort ich kenne mich ja aus.

Und weiteren Gipfelzielen im Siebengebirge:

Zum Lohrberg

Zum Lohrberg

Und Reaktionen aus der städtischen Nähe (Huhu Angelica!):

Leider konnte mein Winken nicht gesehen werden:

Wieder geht es auf einem schmalen Trampelpfad in den Wald hinein zum Lohrberg. Der Lohrberg selbst ist kein Aussichtsberg, denn seine Spitze liegt mitten im Wald. Lediglich die Pfade führen zu einer Kuppe, die mit Steinresten – und so etwas wie Steinmännchen – versehen sind. Da kommt keine Sonne hin und so geht es erneut bergab, diesmal schnüre ich meine Schuhe ein wenig fester. Es sollte mir nicht mehr gelingen mit den Zehen an die Schuhspitzen zu kommen. Heureka!

Wenig später renne ich die wenigen Höhenmeter (so ca. 10m) zur Schutzhütte des Trenkebergs hinauf. Das geht gut und ich erinnre mich an unsere Begegnung der dritten Art. Vor vielen Jahren war ich mit meiner Familie dort, auch früh am Morgen und rasteten. Plötzlich schaut ein Reh mit großen Augen in die Schutzhütte hinein. Wir sind auch verdutzt und das Reh war schneller und sprang schon weg.

Von dort schaue ich gerne zur Ruine der Löwenburg hinüber. Die Aussicht wird heute vom Nebel aber nicht freigegeben. Alle guten Dinge sind drei und so sollte die Löwenburg mein dritter Gipfel sein.

Entdeckte aber wieder einen sinnhaften Appell, der selbstverständlich sein sollte:

Da es aber bereits ca. 7.30 Uhr waren, entschloss ich mich zum Auto zurück zu laufen. Der Downhill – jetzt fange ich auch noch an, Augen verdreh – war steil und von Mountain Bikern ausgefahren. Aufpassen musste schon sein.

Auf dem asphaltierten Verbindungsweg zwischen Löwenburger Hof und Margarethenhöhe lief ich zurück zum Auto, trank einen Schluck Wasser und machte mich zu meinen Eltern, Schwestern, Martina und Wanderhund Sam zum wohl verdienten sonntäglichen Frühstück.

Fazit:

Mehr davon! Riesige Freude hat es mir wieder bereitet laufend im Siebengebirge meine Unwesen zu treiben. Da geht noch viel und langweilig wird es nicht.

Links zum Siebengebirge:

Sportliches Fremdeln in der alten Heimat

An diesem Wochenende stand mal wieder ein Besuch in meiner alten Heimat, im Siebengebirge an. Das war zwar mehr ein Arbeitseinsatz mit Kellerwand streichen und Teilumzug, aber ein bisschen Sport musste schon sein. Da man im Siebengebirge am Stenzelberg leider nicht mehr draußen Klettern darf, musste eine andere Sportart herhalten.

Et ränt Mistjaffeln

Et ränt Mistjaffeln – es regnet Mistgabeln. Während des Gewitters.

Und die war natürlich schnell gefunden. Vor einigen Jahren war ich bereits von meinem Elternhaus einmal in Richtung Großer Ölberg gelaufen. Aber auch nur in die Richtung, nicht aber hinauf. Ich hatte es damals nur bis zum Ölbergrundweg geschafft. Immerhin, damals lief ich zum ersten Mal 70 Minuten am Stück. Auf den Gipfel zu laufen war aber mein Ziel.

Nachdem der ganze Samstag mit Renovierungs- und Umzugsarbeiten vollgestopft war, kam am späten Nachmittag auch noch ein Gewitter dazwischen.  Eigentlich hätte ich dann laufen wollen, um die Nacht schon zur Erholung zu nutzen. Das funktionierte aber aufgrund des Gewitters nicht und wurde der Plan kurzfristig umgeschmissen, denn in die Berge geht man auch nicht bei Gewitter.

Der neue Starttermin war Sonntag Morgen, 6.00 Uhr. Uff!

Da geht es hin, zum Ölberg!

Da geht es hin, zum Ölberg!

Zum Glück musste meine Schwester früh aufstehen, sie hatte Frühdienst, und so war es dann doch gar nicht so schlimm von ihr geweckt zu werden. Ich brauchte aber eine ganze Zeit, um in die Gänge zu kommen und so waren es dann doch 6.04 Uhr, als ich die Haustüre hinter mir zuzog.

Die ersten paar Kilometer waren nur Asphalt, was mit meinen guten Schuhen aber locker machbar war. Von zu Hause lief ich links hinauf, bog aber direkt rechts in ein Gässchen ab und fand mich kurze Zeit später unter der Umgehungsstrasse von Boseroth wieder, um den ersten Schotterweg unterhalb des Gewerbegebiets an der BAB 3 zu laufen. Kurz bergab ging es wieder auf Asphalt zu einer kleine Brücke über den Lützbach. Dort spielten wir als kleine Jungs, Staudammbau und so. Was kleine Jungs so alles machten.

Autobahn leer, kein ICE.

Autobahn leer, kein ICE.

Wenig später überquerte ich die Brücke über die BAB 3 und die ICE-Trasse Köln/Frankfurt, wo es doch soviele Proteste damals vor dem Bau gab. Bei Westwind kann man den ICE sogar im Garten meiner Eltern wahrnehmen. Es ist nicht laut, aber als Zischen hörbar. Es war nix los, aber es war ja auch erst knapp halb sieben morgens…

Hier präsentierte sich der Ölberg in voller Pracht. Da oben wollte ich hin! Ob das wohl klappen sollte?

Margertiten

Margertiten

Ich war schon zuversichtlich, denn die beiden Touren in Rapid City und auch mein letzter Lauf von 14 Kilometern zu Hause in Westfalen hatten mir wirklich gut gefallen. Auch wenn ich nach den 14 gelaufenen Kilometern erst einmal den ganzen sonnigen Tag auf dem Balkon verbrachte, so war das doch eine tolle Sache. So hatte ich auch die Muße mich mit dem neuen Kletterschein Outdoor des Alpenvereins beschäftigen zu können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Am Waldlehrpfad

Am Waldlehrpfad

Nach einer guten halben Stunde war ich am Beginn des Waldlehrpfads am Forsthaus Stöckerhof angelangt. Es ging also endlich hinein in den Wald. Und direkt ein steiles Stück hinauf zu dem Rastplatz „An den Buchen“. Auch hier fand ich viele Erinnerungen, wir machten dort bei Spaziergängen oft Pause. Denn dort waren kleine Felsen(brocken), die man leicht und ohne Gefahren Free Solo meistern konnte. Ein schönes ruhiges Plätzchen.

Zwischenziel kleiner Ölberg

Zwischenziel kleiner Ölberg

Nun wollte ich mich aber langsam schon einmal seelisch und geistig auf den Anstieg zum eigentlichen Tagesziel einstellen. Und wie man das in den Bergen ja macht, so akklimatisierte ich mich auch hier. Der kleine Ölberg bot sich dafür an. Und hier fand ich dann auch meinen ersten richtigen Pfad. Schmal, weich, Natur, alleine. So sollte ein Pfad sein. Leider war das Vergnügen nur sehr kurz und so war ich schneller oben, als mir lieb war. Nicht lange fackeln, wieder runter, war die Devise und die Oberschenkel mussten zum ersten Mal herhalten.

Erster Pfad

Erster Pfad

Jetzt hiess es eine Zustieg zum Ölberg suchen. Dort waren einige Pfade, denn ich wollte (noch) nicht den Fahrweg von der Margaretenhöhe nehmen. Hier musste doch einer sein, da konnte ich mich dran erinnern. Und schliesslich fand ich ihn auch. Der Pfad war noch schmäler, aber nicht weicher als der zum kleinen Ölberg.

Im Wald bergauf.

Im Wald bergauf.

Schön war es, allerdings hatte ich das Gefühl den Ölberg eher zu umrunden. Ansteigend war der Pfad aber nicht und so bog ich bei nächster Gelegenheit auch in Richtung Gipfel ab – zumindest dachte ich das. Das Gefühl war aber richtig, denn ich musste bald noch einmal nach links abbiegen, der Weg kam mir doch bekannt vor.

Ja, und richtig war er, es ging bergan!

Und ich japste schon ganz gut – und legte eine Gehpause ein. Trotzdem ging es weiter hoch durch den Wald der Aussicht entgegen. Ich fing wieder an zu laufen, nur um nach zwei Minuten (spätestens!) wieder ins Gehen zu verfallen. War das anstrengend! Völlig bekloppt! Und ich war nur im Mittelgebirge unterwegs, nicht so, wie ein völlig Verrückter da unten bei Berchtesgaden… Der ist ja nur noch durchgeknallt. Aber Respekt zolle ich ihm schon für seine Unternehmungen. 🙂

Endlich! Die Fahrstrasse zum Ölberg, nun war es nicht mehr weit zum Gipfel und ich startete wieder, aber nicht die Stufen rechts vom Weg hoch (Rheinsteigzubringer übrigens), sondern die Fahrstrasse selbst. Das war ja machbar. Und dann hatte ich es geschafft, endlich oben auf dem Gipfel, glücklich!

Blick zur Löwenburg

Blick zur Löwenburg

Die Sicht war leider nicht ganz so prickelnd, denn jede Menge Wolken hingen am Himmel und die Fernsicht war wirklich nicht gut. Wohl aus deshalb konnte die wandernde Bonnerin Angelica mein Winken wohl auch nicht sehen. Oder war es zu früh nach der Party am Samstag Abend? 😉 Hey, ich habe gewunken!

Blick Richtung Bonn

Blick Richtung Bonn

Auch blies es ein wenig und mir wurde kalt, so dass ich den Abstieg in Angriff nahm. 55 Minuten für 5,2 Kilometer hatte ich bis zum Gipfel gebraucht, da war ich mit einverstanden. Runter ging es diesmal (gewollt) dem Fahrweg. Und wieder wurden die Oberschenkel trainiert. Es lief sich sehr gut und der Puls war natürlich deutlich niedriger als beim Aufstieg.

Endlich, mehr Pfad...

Endlich, mehr Pfad…

An der Margarethenhöhe bog ich nach rechts wieder auf den Ölbergrundweg ein und lief bis zur ersten Schutzhütte, hielt mich links, um ca. 100 Meter weiter mich wieder auf einen schmalen Pfad einlaufen zu sehen. Dieses Stück stellte sich als den schönsten Abschnitt des ganzen Laufs heraus. Relativ schmaler Pfad, nicht festgetreten, Hindernisse, drei Fotos und ein entgegenkommender Trailläufer waren die Ausbeute.

Auf Kollisionskurs

Auf Kollisionskurs

Nach dem Verlassen dieses Abschnitts fühlte ich schon das Gefühl aufsteigen. Auf den breiten Waldwegen kam es besonders zum Vorschein. Ich war auf dem Weg nach Hause. Und so sollte es dann auch sein. Der Weg führte mich wieder in östliche Richtung zum kleinen Ölberg und auf fast gleicher Strecke zurück zu meinen Eltern.

Rechne ich alle Pausen mit ein, so was ich etwas mehr als zwei Stunden unterwegs und ich habe es genossen! Das schrie nach Wiederholung in anderer Form – und die war schon vorher im Kopf. Verrückt.

Und – sagt mir Bescheid, wenn es unerträglich wird!

P.S.: Mit den Fotos bin ich qualitativ nicht zufrieden, aber für die dokumentarischen Zwecke reichen die völlig aus. Das HDR Programm übertreibt es manchmal. 😉