Noch mal richtig einen rausgehauen

„Jetzt müssen wir aber noch so richtig einen raus hauen!“

So ähnlich drohte mir Lukas, der Alpinist aus Leidenschaft, am Vorabend. Das konnte ja heiter werden!

Natürlich wollten wir auf den Similaun! Der sollte der erste Berg werden, den wir sowohl im Sommer als auch im Winter bestiegen haben würden.

Also Frühstück um 6.00 Uhr.

Aufstieg im Niederjochtal
Aufstieg im Niederjochtal

Warum wir dann doch erst um 7.15 Uhr die Tourenski angeschnallt hatten und den Aufstieg ins Niederhochtal starteten, bleibt ein Geheimnis. Am Abend vorher konnten wir etwas über die Schneeverhältnisse dort oben erfahren. Die in einer Höhen von 2800m gelegenen Rinnen sollten gut befahrbar sein, außerdem gab es beim Aufstieg von der Similaunhütte zum Berg eine Gletscherspalte, die umfahren werden musste.

Welchen Weg sollten wir nehmen? Das entschieden wir spontan auf ca. 2800m. Ab die Rinne hoch!

Das wurde ja durchaus spannend und auch echtes Gefluche hörte ich selbst aus meinem Mund. An einer Stelle, mitten in der Rinne, wurde diese auf einmal ganz schön steil. Meine Skier bissen nicht mehr richtig. Lag es nun daran, wie ich dort hinauf stapfte oder lag es an den aufgebrachten Fellen, die wohl doch ein wenig über die Kante schauten? Da musste ich wohl durch, denn das so einfach mal richten war nicht. Es war steil. Lukas Spitzkehren folgten in immer kürzeren Abständen. Übung macht halt den Meister.

Nachdem wir uns durchgebissen hatten, machten wir erst einmal Pause. Aus Lukas Mund vernahm ich:

„Die Rinne zu nehmen war die falsche Entscheidung, das war gar nicht ohne.“

Nach den Rinne, immer noch drei Spitzkehren
Nach den Rinne, immer noch drei Spitzkehren

Hatten wir die steile Rinne überwunden, so wartete die nächste Herausforderung auf uns: Die Sicht ging weg. Somit war es deutlich schwieriger die Geländeformen optimal zu nutzen, um zum Skidepot zu gelangen. Es ging (wieder) langsam, aber weitgehend stetig, voran.

Schließlich riss die Sicht wieder ein wenig auf und wir konnten unsere eingeschlagene Richtung zum Skidepot, die nicht ganz verkehrt war, neu ausrichten. Nach dem Erreichen war erst einmal wieder eine Pause angesagt.

Nur noch wenige Meter bis zum Gipfel
Nur noch wenige Meter bis zum Gipfel

Warum sollte der finale Anstieg denn auch leichter gehen als vorher? Was für eine Schlepperei. Kurz vor dem Gipfel ließ mir Lukas den Vortritt.

Was für eine Geste! Ein toller Typ. Danke Lukas!

Das Gipfelfoto musste zwar sein, sehen konnte man aber eh nix, also schnell wieder runter. Meine Herren, was war der schnell…

Auch beim Abfahren sahen wir erst einmal nichts. Erneut eine Pause. Von Westen, der Südtiroler Seite, kamen die Wolken über den Grat und hüllten auf dem Gletscher alles ein. Es waren auch keine Spuren mehr zu sehen. Es wurde noch einmal spannend. Aber nach wenigen Minuten lichteten sich die Wolken und gab den Blick auf den Niederjochferner frei, dort, wo wir hergekommen waren. Nun fiel die Entscheidung leicht, also dort hinunter!

Abfahrtsaction 2
Abfahrtsaction 2

Und wieder durch die Rinne, welch coole Socken wir da waren. Es war mittlerweile aufgefärbt und fast wie auf einer Piste – nur besser! Das hat viel Freude gemacht.

Ein guter Tag und eine tolle und lehrreiche Zeit.

„Da haben wir doch noch mal richtig einen raus gehauen!“

Und hier alle Bilder:

Realitycheck

Nachdem wir nun am ersten echten Tourentag fast völlig wahnsinnig (oder war es doch übermütig?) geworden waren, musste sich etwas ändern. So konnte es nicht weiter gehen.

Erst im Schneckentempo zur Hütte und am nächsten Tag circa 100 Hm unterhalb des Gipfels umdrehen? Was macht Bernd da?

Realitycheck!

Trotzdem begannen wir den Tag mit einer Konstanten:

Um 6 Uhr bereits unser Frühstück einzunehmen, war ja schon Routine. Wir verzögerten aber unseren Aufbruch und ließen erst einmal die anderen losziehen. Und so verließen wir erst um 7.30 Uhr die Martin-Busch-Hütte.

Unser Ziel: Der Hauslabkogel.

Schlappe 900 Höhenmeter war die Führerangabe, das sollte doch machen sein. Die zu erwartende Abfahrt war von der Hütte schon gut zu sehen. Und im Gelände abfahren, das war eher ein Ziel des ganzen Trips. Der Gipfel war optional – oder so. Besonders nach den beiden Tagen…

Im Gegensatz zum Vortag war der Himmel blau. Und der Schnee knochenhart.
Den Aufstieg absolvierten wir in interessantem Gelände, zuerst entlang des Bachs, dann langsam ansteigend in die aufzusteigen Rinne. Bei dem harten Schnee konnte man schon mal ein wenig rutschen, wenn man nicht aufpasste. Besser an einer Stelle mit weniger Hangsteilheit aufsteigen. Das war jetzt zwar nicht so schön, aber auf jeden Fall eine gute Übung der Ausnutzung des Geländes.

Aufstieg zum Hauslabkogel
Aufstieg zum Hauslabkogel

Da war aber auch noch etwas anderes: „Die Aussichten auf wildere Ziele!“ Die wurden immer besser, je höher man stieg.

„Kann Lukas nicht mal warten?“

„Ich schiebe meine Ski doch (schon wieder) mit den Zahnfleisch nach oben.“

„Ich brauche eine Pause!“

Welch Bergpanorama!
Welch Bergpanorama!

Als wenn er Gedanken gelesen hätte, sass er da und trank schonmal was. Die Pause war wieder nötig und die Jause nach im Magen verschwunden.

Auf den letzten 400 Hm übte ich mich dann in Skisteigtechnikverbesserung. Oberkörper nach hinten geschwungen und mit diesem Schwung gleichzeitig einen Ski nach vorne geschoben.Und das Gleiche mit dem anderen Ski. Wiede rund immer wieder. Monotonie, die uns aber nach oben brachten. Und ich besser zurecht kam. Und trotzdem zog es sich doch noch elendig hin…

Oben angekommen erst einmal schnell das Skidepot eingerichtet und dann zum Gipfel gekraxelt.

SkitourenMartinBuschHuette2016_12_c_2016_KritzelKraxelIch hätte mir ja irgendwie schon gerne mal den Ostgrat der Finailspitze angeschaut, denn am Vortag war die Sicht ja nicht so pralle gewesen. Besser war sie jetzt aber auch nicht, zumindest nicht in westlicher Richtung. Und ehe uns Wolken einlullen wollten, stiegen wir wieder ab, legten die Ski an und fuhren ab.

Ich hab’s offensichtlich überlebt und durfte meine Selbsterkenntnis noch um die hakelige Umsetzung des Skifahrens auf unterschiedlichen Skiuntergründen erweitern. Saharastaub rauche ich aber nicht wirklich! Da weiß ich ja nun, was ich beim nächsten Skiurlaub im Kaunertal üben kann/soll/will/muss/sollte – wie man es halt ja sieht. Der Firn war wieder elendig weich, nicht schön, aber wir kamen schon wieder zur Hütte.

Mein Fazit des Tages: Da ging was!